Konzert am 26. Januar 2014

Foto: S.Bernecker
Foto: S.Bernecker

Benefizkonzert zur Epiphaniaszeit für Orgelrestaurierung

 

Ulrich und Dorothea Heinen musizierten in Kleinsteinbacher Thomaskirche

 

Die Pflege der Kirchenmusik lag De-kann Paul Gromer, dem Kleinsteinbacher Gemeindepfarrer, schon immer besonders am Herzen. Eine Vielzahl von Konzerten unterschiedlicher Formen und Besetzungen mit vokalen und instrumentalen Beiträgen zur Musica Sacra gehörten in den Jahren seines Wirkens zum jährlichen Programm im Weinbrennerbau Thomaskirche. Nun gab es am 3. Sonntag zur Epiphaniaszeit, dem Fest der Erscheinung des Herrn, und damit zum letzten Mal in P. Gromers Amtszeit wenige Tage vor deren Ende ein besonderes kirchenmusikalisches Ereignis, firmierend als Bene-fizkonzert zur Restaurierung der Orgel der Thomaskirche. Diese als Teil der großen Kirchenrenovierung kann P. Gromer nun wegen Verzögerungen bei der Planung nicht mehr während seines aktiven Wirkens erleben.

Passend zum Anlass waren die Ausführenden des Konzertes gewählt. Ulrich Heinen, seit schon fast zehn Jahren Organist der Thomasgemeinde, und seine Ehefrau Dorothea gestalteten ein eineinhalbstündiges, anspruchsvolles Programm. Ulrich Heinen an der Orgel, im Hauptberuf promovier-ter Chemiker, und seine Frau mit Flöte und Gesang, als Realschullehrerin berufstätig, bewiesen in ihrem „Hobby“ hohe Musikalität und gekonn-tes Zusammenspiel.

Die Klammer des Programmes, wie der Organist ausführte, bildete die ers-te Symphonie für Orgel von Louis Vierne, die dreigeteilt den Auftakt (Prélude d-moll) und den Abschluss (Final D-dur) und einen längeren Mittelblock (Pastorale B-dur, Alle-gro Vivace a-moll, Andante F-dur) bestimmte. Vierne (1870 – 1937) war jahrzehntelang Titularorganist von Notre Dame in Paris und begann mit dieser ersten Symphonie (1895) seine Komponistentätigkeit bekannter Werke, in denen er seine Handschrift zum Ausdruck brachte. Doch auch schon in seinem Erstwerk schaffte er einen brillianten Nachweis seiner Beherrschung des Instruments und des Kompositionshandwerks. Im Prélude wird das Hauptthema aus einem wiederholten, prägnanten Quartmotiv in kontinuierlicher Steigerung zu einem dramatischen Höhepunkt geführt. Im Mittelteil der Symphonie ist der Rückbezug zur französischen Orgelmusik des Barock spürbar. Das Finale verwandelt schließlich das Quartmotiv des ersten Satzes in ein fanfarenartiges Motiv. U. Heinen sprach auch informierend und fragend an, ob

es statthaft ist, eine Vierne-Symphonie, die für große Kathedralorgeln mit opulenter Klangpracht konzipiert ist, auf einem eher kleinen Instrument wie in Kleinsteinbach wiederzugeben. Sein Vortrag gab ihm aber Recht: Er meisterte nicht nur die Tücken des überholungsbedürftigen Instruments, sondern ersetzte die überwältigende Klangfülle einer großen Orgel durch Betonung von Details der facettenreichen Komposition.

Mit einem Werk von Carl Philipp Emanuel Bach, dessen Geburtstag sich zum 300sten Mal jährt und dessen Ruf zu Lebzeiten den seines berühmten Vaters Johann Sebastian überstrahlte, der G-dur Sonate für Flöte und Orgel, trat das Paar erstmals gemeinsam in Aktion. Die Verwurzelung in barocker Tradition wird in dem Stück bereits hin zu mehr Geschmeidigkeit des neuen Stils, der der Klassik den Weg bereitete, geöffnet. Ein weiterer Orgelbeitrag (Andante amabile von J.G.Rheinberger) folgte. Mit der Arie „Er weidet seine Herde“ aus G.F.Händels „Messias“, einer innigen Pastorale, und in „Die Könige“ von P. Cornelius, das die Wanderung der Könige zum Stall in Bethlehem zum Thema hat, ließ Dorothea Heinen ihre saubere Sopranstimme ertönen. Schließlich rundeten die Phantasie „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ von D. Buxtehude und die „Sonate B-dur für Flöte und Basso Continuo“ von G.P. Telemann, der als viel-leicht fleißigster Komponist der Musikgeschichte gilt, das Konzert ab.

Dekan P. Gromer zeigte sich in sei-ner kurzen Ansprache überzeugt, dass das beeindruckende Konzert bei den treuen Besuchern noch lange nachwirken wird und wünschte sich weitere derartige Auftritte in der dann renovierten Thomaskirche mit einer noch klangvolleren Orgel.

 

Text: Karl-Heinz Wenz