Rückblick zum "Tag des offenen Denkmals"

Auch in diesem Jahr nahmen wir den bundesweit stattfindenden „Tag des offenen Denkmals“ zum Anlass, die Thomaskirche für interessierte Besucher zu öffnen. Dieser Tag bietet die Gelegenheit, auch Bereiche der Kirche, die sonst nicht so ohne weiteres zu sehen sind, zu besichtigen.

Ein besonderes Highlight waren natürlich die von der Firma Edelstahl

Rosswag gestifteten Klöppel, die unsere drei Glocken zum Klingen bringen.

Um die Geschichte der Glocken und die Kunst des Klöppelschmiedens noch anschaulicher zu machen, erklärten sich Karl-Heinz Essig und Bruno Hossfeld zu zwei sehr informativen und auch bewegenden Vorträgen bereit. Themen: „Glocken als Kulturgut - gestern und heute“, sowie „Tradition Glockenklöppel - alte Handwerkskunst mit neuen Hightech- Werkstoffen“. Zusammen mit einem original Klöppel und einem Glocken-Rohling zum Anfassen konnte man diese Themen viel besser begreifen. Dann

noch ein Gang über steile Treppen auf den Kirchturm um gespannt auf das Schlagen der Glocken zu warten und dies dann mit dem ganzen Körper zu fühlen - ein einmaliges Erlebnis!

Der Taufstein, die Orgel, die Kanzel oder der Kirchenraum mal aus einer anderen Perspektive; noch viele andere Aspekte der Thomaskirche konnten genau betrachtet werden. Ebenso gab es eine kleine Ausstellung auf der Chorempore, wo historische Bilder und Texte zu sehen waren. Dort war auch oft Eugen Härer anzutreffen, der diese Sammlung zusammengetragen hat und Fragen der Besucher beantwortete.

Herzlichen Dank allen Besuchern, die sich die Zeit genommen haben, sich näher mit unserer Kirche zu beschäftigen und natürlich vielen Dank allen Mitwirkenden des Tages.

 

Text: M. H.


Glocken

Glocken setzen Himmel und Erde in Bewegung.

Am Tag des Denkmals wurden zwei sehr interessante Vorträge durch Vertreter der Firma Edelstahlschmiede Rosswag über Glocken und Glockenklöppel in unserer Thomaskirche gehalten. Im Folgenden werden einige Aspekte der Glockengießerei beleuchtet, um den Gesamteindruck abzurunden.

„Fest gemauert in der Erden, steht die Form, aus Lehm gebrannt“, so beginnt Schillers Lied von der Glocke. Und genauso werden Glocken auch heute noch nach alter Tradition an Freitagnachmittagen um 15.00 Uhr, der Sterbestunde Jesu, gegossen. Dabei wird ein 1100 Grad heißes Gemisch, die Glockenspeise, die zu etwa drei Vierteln aus Kupfer und zu einem Viertel aus Zinn besteht, in die Form gegossen.

Die Fertigstellung einer Glocke dauert mindestens ein halbes Jahr. Der Preis für eine Glocke setzt sich zusammen aus dem Metallpreis, den Herstellungs- und den Installationskosten. Für eine Glocke mit einem Gewicht von 300 kg sind etwa 1.800 Euro als Materialkosten anzusetzen – am Ende kommt eine Gesamtsumme von rund 10.000 Euro heraus. Große Glocken, wie zum Beispiel die 9 Tonnen schwere Glocke für den Hamburger Michel, kosten mit 90.000 Euro erheblich mehr.

Interessant ist die Entwicklung auf dem Glockengießermarkt. Da nach dem Krieg sehr viele Glocken beschädigt waren, gingen 50 Firmen in Deutschland an die Arbeit, die Glocken zu ersetzen. In den Jahren 1960 - 1965 verringerte sich die Zahl auf 30 Gießereien und seit 2003 sind nur noch 6 Glockengießereien tätig. Normalerweise halten Gussglocken 300 Jahre und länger und allein von der Herstellung können die Firmen nicht leben. Die 6 verbliebenen Gießereien haben sich weitere Standbeine geschaffen, beispielsweise als Kunstgießer mit der Fertigung von Brunnen oder Statuen. Auf der anderen Seite müssen die vorhandenen Glocken in den Kirchen jährlich gewartet werden und ein EU-Forschungsprojekt zur Schadenserkennung und -vermeidung hilft hoffentlich allen Gießereien über die Runden zu kommen.

 

Text: R. H.